Bevor ich in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, zwei Zimmer im dritten Stock eines Altbaus, habe ich mir eine komplette Werkstatt bestellt. Einen Werkzeugkoffer mit 129 Teilen, eine Schlagbohrmaschine, eine Stichsäge, ein Multitool, eine Klappwerkbank und Schraubzwingen. Ich war überzeugt: Wer eine Wohnung hat, braucht Werkzeug für alles. Bezahlt habe ich 319,94 €.
Sechs Jahre und zwei Umzüge später habe ich nachgezählt. Regelmäßig benutzt habe ich vielleicht 15 Teile, der Rest stand im Kellerabteil. Als mein Neffe im September zum Studium nach Münster gezogen ist, habe ich ihm deshalb eine Werkzeug-Grundausstattung gepackt, die nur aus Dingen besteht, die ich wirklich nutze. Sie hat 182,89 € gekostet. Gefehlt hat ihm bisher nichts.
Reparieren musst du als Mieter fast nichts, bohren darfst du in normalem Umfang. Das hatte ich damals genau falsch herum im Kopf. Nach § 535 BGB muss der Vermieter die Wohnung während der ganzen Mietzeit in einem Zustand halten, in dem du sie vertragsgemäß nutzen kannst. Tropft der Wasserhahn oder klemmt das Fensterschloss, meldest du das. Du schraubst nicht selbst daran herum.
Und du bist damit nicht allein. Laut Statistischem Bundesamt wohnten 2022 in Deutschland 58 % der rund 39,3 Millionen Haushalte zur Miete. Allein lebende Mieter hatten im Schnitt 62,2 Quadratmeter. Viel Platz für eine Werkbank ist das nicht.
Viele Mietverträge enthalten eine Kleinreparaturklausel. Ich dachte, ich müsse deshalb kleine Schäden selbst beheben. Falsch: Es geht ums Bezahlen, nicht ums Reparieren. Der Bundesgerichtshof hat 1989 entschieden (VIII ZR 91/88), dass so eine Klausel nur Teile erfassen darf, auf die du häufig direkt zugreifst, und dass sie eine Höchstgrenze für mehrere Reparaturen in einem Zeitraum braucht. Klauseln, nach denen du die Reparatur selbst ausführen oder beauftragen musst, sind laut Berliner MieterGemeinschaft unwirksam (BGH, VIII ZR 129/91). Laut Berliner MieterGemeinschaft halten Gerichte meist rund 75 € pro Reparatur für zulässig, manche auch bis 100 €, und im Jahr insgesamt 150 bis 200 € oder 8 % der Jahresnettomiete.
Beim Bohren ist es entspannter. Laut Berliner Mieterverein gehören Bohr- und Dübellöcher nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 20. Januar 1993 (VIII ZR 10/92) zum vertragsgemäßen Gebrauch, aber nur im allgemein üblichen Umfang: Flurgarderobe, Badspiegel, Gardinenleiste. Wer sehr viel anbringt, muss die Löcher beim Auszug fachgerecht verschließen. Lies trotzdem vor dem ersten Loch deinen Mietvertrag.
Fast alles, was groß und teuer war, liegt im Keller. Ich habe für jedes Gerät überlegt, wie oft ich es in sechs Jahren wirklich in der Hand hatte:

Sechs Jahre, zwei Umzüge: So oft habe ich die großen Anschaffungen wirklich benutzt.
Die Teilezahl war die größte Täuschung. 129 klingt nach viel Werkzeug. In Wahrheit hatte ich einen Kunststoffkoffer voller Kleinteile, der nach dem zweiten Umzug am Scharnier gebrochen ist. Die Schraubendreher darin waren in Ordnung. Den Rest hätte ich nie vermisst.

Fast 140 € weniger und trotzdem nichts, was fehlt: Der Unterschied steckt vor allem in den Geräten, die ich kaum benutzt habe.
Einen Akku-Bohrschrauber, ein paar gute Handwerkzeuge, etwas zum Messen und ein Dübel-Sortiment. Mehr nicht. Das ist die Liste, die ich meinem Neffen im September gekauft habe, mit den Preisen, die ich online bezahlt habe:
| Werkzeug | Preis | Wofür ich es wirklich brauche |
|---|---|---|
| Akku-Bohrschrauber 12 V, 2 Akkus | 69,99 € | Möbel aufbauen, Löcher in Holz und Ziegel |
| Bit-Set mit Halter, 32 Teile | 12,99 € | Kreuz-, Torx- und Schlitzschrauben |
| Bohrer-Set Holz, Metall, Stein | 14,99 € | Dübellöcher, Vorbohren |
| Universaldübel mit Schrauben | 9,99 € | Regale, Spiegel, Gardinenstange |
| Wasserwaage 60 cm | 9,99 € | Regale und Bilder gerade hängen |
| Zollstock 2 m | 6,99 € | Messen vor dem Möbelkauf |
| Schraubendreher-Set, 6 Teile | 11,99 € | Steckdosenleisten, Scharniere, Kleinkram |
| Kombizange | 9,99 € | Festhalten, Biegen, Kabelbinder kappen |
| Hammer 300 g | 9,99 € | Nägel für Bilder, Dübel einschlagen |
| Cuttermesser | 5,99 € | Umzugskartons, Teppich, Folie |
| Leitungssucher | 19,99 € | Strom- und Wasserleitungen vor dem Bohren |
| Gesamt | 182,89 € | 11 Werkzeuge |
Der Bohrschrauber ist das einzige Gerät mit Akku auf der Liste. Mit 12 Volt reicht er für Möbelaufbau und Löcher in Holz und Ziegel. Wichtiger als die Volt-Zahl war mir, dass zwei Akkus dabei sind. Der Leitungssucher ist das einzige Teil, das ich damals nicht hatte und heute als Erstes kaufen würde.
Genauso wichtig ist, was nicht zählt:

Gut die Hälfte des Geldes steckt im Bohrschrauber samt Zubehör. Am Handwerkzeug zu sparen, lohnt sich dagegen kaum.
Kauf Werkzeug nach Aufgaben, nicht nach Teilezahl: Regal aufhängen, Möbel aufbauen, Gardinenstange anbringen. Was keine dieser Aufgaben erledigt, landet bei mir im Keller.
Auf die Wand, nicht auf die Maschine. Bevor ich bohre, finde ich heraus, woraus sie besteht. Im Altbau bröselte bei mir der Putz, dahinter kam weicher Ziegel. Dort habe ich ohne Schlag gebohrt und Universaldübel genommen. Klingt eine Wand beim Klopfen hohl, ist es meist Gipskarton, und dann brauchst du Hohlraumdübel. Der Bohrer hat bei mir immer denselben Durchmesser wie der Dübel: 6er Dübel, 6er Bohrer. Ist sie hart und der Bohrer kommt kaum voran, ist es Beton.
Für Beton kaufe ich kein eigenes Gerät mehr. Für die zwei Löcher an meiner Betondecke habe ich mir einen Bohrhammer beim Nachbarn geliehen. Für eine erste Wohnung lohnt sich so eine Maschine kaum, wenn du sie zweimal im Jahr brauchst.

Diese Reihenfolge halte ich bei jedem Loch ein. Die Maschine kommt erst bei Schritt 4 ins Spiel.
⚠ Erst orten, dann bohren
In meiner ersten Wohnung habe ich für ein Regal neben dem Lichtschalter gebohrt und eine Handbreit neben einer Stromleitung aufgehört. Einen Leitungssucher hatte ich damals nicht, nur Glück. In Altbauten verlaufen Leitungen nicht immer so, wie du es erwartest. Fahr deshalb jede Stelle vorher ab, auch wenn das Gerät nur 19,99 € gekostet hat.
In Fliesen bohre ich nur in die Fugen. Ein Loch in der Fuge lässt sich beim Auszug leichter verschließen als ein gesprungenes Fliesenstück. Ob du die Löcher beim Auszug schließen musst, hängt von deinem Mietvertrag und davon ab, wie viele es sind.
In zwei Runden. Erst die Basis aus der Tabelle, und erst wenn nach ein paar Wochen eine Aufgabe auftaucht, die du damit nicht schaffst, kommt etwas dazu. Mein Neffe hat bisher nur Schraubendreher und Bohrschrauber gebraucht, und genau dafür war das Paket gedacht.
Beim Online-Kauf hilft dir das Gesetz. Die Widerrufsfrist beträgt nach § 355 BGB 14 Tage, und sie beginnt bei Waren erst, wenn du sie erhalten hast (§ 356 BGB). Die Rücksendekosten trägst du nur, wenn der Shop dich vorher darüber informiert hat (§ 357 BGB). Geht der Bohrschrauber nach einem Jahr kaputt, gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren (§ 438 BGB).
Die Handwerkzeuge für meinen Neffen habe ich bei Toolchest zusammengesucht. Der Shop hat Hand- und Messwerkzeug und Befestigungsmaterial, und du kannst über PayPal auf Rechnung zahlen. Das war mir wichtig, weil ich erst prüfen wollte, ob alles passt. Geliefert wurde an eine Packstation in Münster. Vor dem Bezahlen habe ich bei rabattcode.pro nach Codes geschaut. Wer für die neue Wohnung auch noch Haushaltskram braucht, findet in der Kategorie Haushaltwaren eine Übersicht der Shops mit aktuellen Aktionen.
Meine Stichsäge liegt übrigens immer noch im Keller. Ich habe sie meinem Neffen nicht mitgegeben.
Ein Akku-Bohrschrauber mit Bits und Bohrern, Schraubendreher, Kombizange, Hammer, Cuttermesser, Zollstock, Wasserwaage, Dübel und ein Leitungssucher. Bei mir kostete das zusammen 182,89 €.
Nein. Für Reparaturen ist nach § 535 BGB der Vermieter zuständig. Eine Kleinreparaturklausel kann dich nur an den Kosten bestimmter kleiner Reparaturen beteiligen, ausführen musst du sie nicht.
Ja, im üblichen Umfang. Laut Berliner Mieterverein gehören Dübellöcher etwa für Garderobe, Badspiegel und Gardinenleiste zum vertragsgemäßen Gebrauch. Wer sehr viel bohrt, muss die Löcher beim Auszug fachgerecht schließen.
Meistens nicht. Für Möbel, Holz und Ziegel reicht ein Akku-Bohrschrauber. Für Beton habe ich mir einen Bohrhammer geliehen, statt selbst einen zu kaufen.




